Samuel Ju

Das Active Sourcing liegt im Trend bei der Personalbeschaffung. Angesprochen ist damit die aktive Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern durch das Unternehmen selbst. Laut Statista verwendeten Unternehmen in 2016 dafür bereits 10 % ihres Rekrutierungsbudgets. Innerhalb des Active Sourcings bildet die digitale Jobmatching-Plattform die innovative Speerspitze. LEGALHEAD ist eine solche digitale Jobmatching-Plattform für Juristinnen und Juristen und Samuel Ju einer der Geschäftsführer des skalierungsträchtigen Start-ups.

Dieser Beitrag gehört zur Serie: Interviews zur Führung

Auswahl weiterer Beiträge aus der Serie:

  1. „Ich will wirken.“ – Interview mit Markus Stelzmann (TELE)
  2. Active Sourcing im digitalen RecruitingInterview mit Samuel Ju (LEGALHEAD)
  3. Instrumentelle Führung – Interview mit Jens Rowold (TU Dortmund)

Leadership Insiders: Recruiting versorgt Organisationen mit menschlicher Energie. Einstellungen und Austritte entscheiden über deren Erfolg. Für den Einzelnen sind es nicht selten lebensprägende Entscheidungen. Das Marktvolumen ist bemerkenswert. Allein die Branche der Personalberater realisierte 2016 in Deutschland daraus rund 2 Mrd. Euro. Die spannendsten Bewegungen sehen wir gegenwärtig bei den Recruitingskanälen. Es geht um Umverteilungen zwischen den Kanälen, deren vereinzelten Niedergang und vor allem um das Entstehen neuer Kanäle. Seit Ende 2015 sind Sie mit einer Lösung in einem Start-up unterwegs. Was war der Anlass, beim Recruiting einen anderen Weg zu gehen?

Samuel Ju: Ich selbst habe Jura studiert und auch mir ist der „War for Talents“ im juristischen Bereich, insbesondere unter den Topjuristen, natürlich nicht entgangen. Auch haben viele meiner ehemaligen Kommilitonen innerhalb der ersten Berufsjahre ihren Arbeitgeber gewechselt. Schon im Jahr 2009 hatte ich mit meinem jetzigen Mitgründer Dr. Clemens Reichel die Idee, eine digitale HR-Plattform zu bauen. Clemens hat mehrere Jahre im klassischen, „analogen“ Headhunting gearbeitet. Daher kannte er die „Probleme“ des klassischen Headhuntings sehr gut. Ich hatte bereits mehrere Jahre Erfahrung im Aufbau von Start-ups im digitalen Bereich gesammelt. Wir haben uns dann regelmäßig ausgetauscht, um den Recruitingprozess und auch den Bewerbungsprozess für die Kandidaten zu digitalisieren und eine neue – insbesondere mobil optimierte – User Experience zu kreieren. Zusammen mit unserem heutigen CTO Fabian Schebanek haben wir dann im Jahr 2015 als erste digitale HR-Plattform Legalhead gegründet. Drei Jahre später sind wir mit insgesamt fünf Plattformen auf dem Markt: Legalhead, Taxhead, Interimhead, Hotelhead und seit Kurzem auch mit Medihead.

Leadership Insiders: Also wie so oft war es die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, gepaart mit vielfältigen Erfahrungen, der Antrieb zur Entwicklung besserer Lösungen.  Wie funktioniert die Jobmatching-Plattform als ihre Antwort denn genau?

Samuel Ju: Anders als bei der klassischen Stellenanzeige gilt bei uns nicht das Prinzip „Post and pray“. Bei der klassischen Stellenanzeige kann der Arbeitgeber nicht proaktiv auf den Kandidaten zugehen. Gleichzeitig sind Stellenanzeigen (bewusst) meistens sehr vage formuliert z.B. was die Notenerwartung angeht. Gehaltsangaben findet man nie auf einer klassischen Stelleanzeige. Wir matchen in Echtzeit auf beiden Seiten die relevanten Kriterien wie z.B. im juristischen Bereich die Noten im 1. und 2. Staatsexamen, Rechtsgebiete, Berufserfahrung, Wunschstandort, Sprachkenntnisse und erzielen so sehr passgenaue Matches zwischen Arbeitgeber und Kandidat. Beide Seiten können dann jeweils der anderen Seite durch das Heben des Daumens ihr Interesse bekunden. Wenn beide den Daumen heben, kommt es zu einem Match. In einem Erklärvideo und auch in einem Interview erklären wir detailliert, wie dies bei uns funktioniert.

Leadership Insiders: Bei einer Prozessverbesserung geht es immer um die Trias Kosten, Geschwindigkeit und Qualität. Greifen wir, um zu verdeutlichen, worauf ich hinaus will, einmal die Kosten heraus. Das Einstellen einer gut lesbaren Anzeige kostet so zwischen 1.500 und 2.000 Euro pro Kanal, eine Personalberaterin freut sich über 25 % des Jahresgehaltes der vermittelten Person unterhalb von Top-Ebenen. Könnten Sie veranschaulichen, wie dieser Recruitingkanal die Prozessparameter beeinflusst?

Samuel Ju: Gerne.

1. Kosten: Auf Arbeitgeberseite verlangen wir keine Pauschalgebühr. Wir berechnen bei Legalhead 15 % des vereinbarten Jahresgehalts NUR im Erfolgsfall. Für die Kandidatenseite ist es kostenlos, vor allen Dingen hat er auch keine Zeitkosten, weil er nicht bei unzähligen Bewerbungsmasken x-mal seine Daten hinterlegen muss, sondern nur ein einziges Mal. Danach bekommt er für sein Profil perfekt passende Jobangebote vorgestellt. Nicht nur das. Der Kandidat erhält von uns sogar nach erfolgreich bestandener Probezeit 3 % des vereinbarten Jahresgehalts als „Startgeld“.

2. Geschwindigkeit: Das schnellste Match zwischen einem Arbeitgeber und einer Kandidatin hatten wir bei Legalhead bereits innerhalb von wenigen Minuten. Wir bieten Kanzleien in den meisten Fällen eine sehr ordentliche Anzahl an spannenden Optionen und das bereits sofort nach Einstellung und Aktivieren der Vakanz. Es läuft bei uns alles in Echtzeit. Unser Ziel ist es, den gesamten Prozess vom Erstkontakt bis zur erfolgreichen Vermittlung von der Geschwindigkeit her immer weiter zu verbessern. Dafür bitten wir die Arbeitgeber uns auch regelmäßig Feedback zu geben, wenn insbesondere parallel auch ein klassischer Headhunter beauftragt wurde.

3. Qualität: Unser Anspruch ist es nicht, viele ungefähr passende Kandidaten mit vielleicht passenden Arbeitgebern zusammenzubringen. Dadurch, dass sowohl Arbeitgeber als auch Kandidaten ihre Vorstellungen bzgl. aller relevanter Parameter hinterlegen können, bieten wir auf beiden Seiten eine sehr spitze Lösung. Unsere Partner wissen, dass eine Neuigkeit bei Legalhead immer eine interessante Neuigkeit ist. Gleichzeitig beanspruchen wir pro Tag nur wenige Minuten der HR-Mitarbeiter und der Kandidaten. Unsere Plattform kann von jedem internetfähigen Rechner, Tablet und vor allen Dingen auch Smartphone geöffnet und wunderbar genutzt werden – auch das ist heutzutage im mobilen Zeitalter ein wesentlicher Qualitätsfaktor. Gerade im juristischen Bereich sind viele Stellenangebote noch nicht für die mobilen Endgeräte optimiert.

Leadership Insiders: Kommen wir aber noch zu einem anderen Aspekt. Anderenorts sprachen Sie sinngemäß davon, dass es Ihnen auch um eine Demokratisierung des Bewerbungsprozesses gehe. Danach manifestiere sich die Idee der Gleichwertigkeit von Kandidatinnen bzw. Kandidaten und Arbeitgebern auf Ihrer Plattform konsequent. Wie dürfen wir dies verstehen?

Samuel Ju: Wenn man den juristischen Markt kennt, weiß man, dass die ca. 10-15 % der Besten eines jeden Jahrgangs sich quasi ihren Job aussuchen können. Auf diese Kandidaten stürzen sich alle. Es gibt auch viele Stipendiumsangebote und Karriereförderprogramme etc., die sich ganz gezielt nur an diese Kandidaten, die zwei Prädikatsexamina vorweisen können, richten. Für diejenigen, die notenmäßig darunter liegen, ist es oftmals nicht so einfach, einen Job zu finden. Wir bieten eine Lösung für jeden Juristen an und wir haben schon viele Kandidaten vermittelt, die eher unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Noten hatten, aber dafür eben andere Qualitäten, wie z.B. sehr umfangreiche IT-Kenntnisse, vorweisen konnten. Gerade im IT- und Datenschutzrecht – Stichwort „DSGVO“ – gibt es gerade im Moment eine extrem hohe Nachfrage. Die besten Anwälte sind nicht immer nur die mit den besten Noten. Wir wollen eine Plattform für alle Juristen sein und haben auch sehr viele Stellenangebote für Juristen, die vielleicht nicht die besten Examina haben, dafür aber andere Qualitäten und Expertisen vorweisen können.

Leadership Insiders: Abschließend eine weiterführende Frage an Samuel Ju als Gründer. Studierende, also Führungsnachwuchskräfte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, zieht es nicht so sehr in die Selbständigkeit nach dem Studium. Internationale Organisationen üben hier einen größeren Reiz aus. Sicherheit, Einkommen, Prestige und Entwicklungsmöglichkeiten werden da gerne angeführt. Dann noch das Leben in Metropolen. Mittelständler haben ebenfalls oft das Nachsehen. Bei Ihnen war das anders. Möchten Sie Studierenden noch eine Botschaft mit auf dem Weg geben?

Samuel Ju: Ich kann jedem nur empfehlen, gerade die Studienzeit dafür zu nutzen, ein Praktikum bei einem Start-up zu machen oder als Werkstudent dort zu arbeiten oder vielleicht sogar selbst ein Start-up zu gründen. Wir leben in einem Zeitalter, in dem man die besten Voraussetzungen hat, sich selbständig zu machen. Aber es liegt nicht jedem, was auch absolut in Ordnung ist. In Südkorea, wo meine Eltern herkommen, genießt die Selbständigkeit nicht wirklich eine hohe Reputation. Ich habe es bis heute – trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten – nicht bereut und würde es genauso wieder machen.

Als Mitarbeiter nach dem Studium in einem Start-up einzusteigen, ist meiner Meinung nach im Vergleich zu den großen, internationalen Arbeitgebern ebenfalls eine sehr spannende Alternative. Ich sehe zumindest bei unseren Mitarbeitern und bei vielen in meinem Alter, dass das Gehalt nicht das einzig Ausschlaggebende ist. Vielmehr sind es die Unternehmenskultur, der Spaß an der Arbeit, die Eigenverantwortung und das entgegengebrachte Vertrauen durch die Gründer. Wir als Gründerteam geben uns größte Mühe, in dieser Hinsicht ein guter Arbeitgeber zu sein. Ich kenne auch viele, die zunächst einmal in einer internationalen Unternehmensberatung gearbeitet und danach mit dem aufgebauten Know-How ein Start-up gegründet haben. Bei den Juristen sind das schon deutlich weniger. Am Ende des Tages muss jeder für sich selbst entscheiden, was für ihn das Beste ist.

Über Samuel Ju

Samuel Ju studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Mainz und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Frankfurt. Er ist Gründer und Geschäftsführer mehrerer Digitalunternehmen in den Bereichen HR / Recruiting und dem digitalen Lernen. Schon während seiner Schulzeit begann er damit, sich das Programmieren selbst beizubringen und gründete bereits direkt nach der Schule sein erstes Start-up. Aktuell ist er als Geschäftsführer bei der Mobilehead Holding GmbH und der Repetico GmbH tätig. In seiner Freizeit spielt er gerne Schach, Tischtennis, Fußball und Basketball.